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Geschichte

Das Gerüst des modernen Kasachstans beruht auf einer 3000 Jahre alten Geschichte. Bereits zur Steinzeit war Kasachstan bevölkert, vorwiegend durch Nomadenvölker, für die das Klima und die Landschaft bestens geeignet waren. Historiker glauben, dass in der Steppe Kasachstans, auch die ersten Pferde domestiziert wurden.
Das Land selbst wurde durch große historische Momente und Legenden wie beispielsweise Alexander den Großen oder Dschingis Khan geprägt. Für Jahrhunderte brachte die Seidenstraße Handel und Reisende durch das Land und mit ihnen kamen Güter und exotische Waren aus aller Welt. All diese Ereignisse haben dazu beigetragen, dass Kasachstan heute eine vielfältige Kultur besitzt, die sich immer wieder an Veränderungen anpasst und sich weiterentwickelt.

Kasachstan liegt auf einer bedeutenden Kreuzung, nicht nur was die Entwicklung der Zivilisation aber auch wichtige Handelsrouten betrifft. Es war schon immer ein Land des sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Austausches zwischen Norden und Osten, sowie Norden und Süden und großen Eurasischen Nationen. Im Laufe der Geschichte wurden Staaten gebildet, haben sich neu formiert, entwickelt und zum heutigen Kasachstan zusammengefügt.

Rund 1000 Jahre vor dem Christentum, war das Nomadenvolk der Skythian-Saka in der Zentralasiatischen Steppe weit verbreitet. Viele ihrer kulturellen Denkmäler sind noch heute erhalten, beeindruckende Werkzeuge und Gegenstände des täglichen Lebens aus Gold und Bronze, gefunden in uralten Grabstätten. Eine weitere besonders wichtige historische Ausgrabung ist auch die königliche Grabstätte des Goldenen Krieger Prinzen des Saka-Volkes, die in der historischen Stadt Issyk gefunden wurde und sich durch ihre Vollständigkeit, Schönheit, Eleganz und Handwerkskunst auszeichnet. Die Motive dieses kulturellen Schatzes wurden die Basis für das moderne Freiheitsmonument, errichtet in Almaty in den frühen 90er Jahren.

Jahrhunderte später wurde die Steppe zu einem machtvollen Gebiet der Hunnen, die einen besonders großen Einfluss auf die geopolitische Weltkarte dieser Zeit hatten. Das große römische Reich wurde beispielsweise von den Truppen des großen Hunnen-Kriegers Attila zerstört.

Später wurden die Hunnen langsam durch Turk-Stämme verdrängt, die mehrere große Staaten, bekannt als Kaganats, vom Osten des Gelben Meeres bis zum Westen des Schwarzen Meeres gründeten. Diese Staaten waren geprägt durch fortschrittliche Kulturen, nicht mehr nur basierend auf nomadenhafter Wirtschaft sondern vielmehr als Oase reicher und vielfältiger Kultur mit pulsierendem Handel und traditionsreichem Handwerk. Während dieser Zeit entwickelten sich die ersten Städte in den Oasen Zentralasiens, dem Gebiet des heutigen Südkasachstans und Zentralasiens, entlang der wichtigsten Handelsroute dieser Zeit – der Seidenstraße, die Europa und China miteinander verband.

Die Route entlang des Syr Dariya Flusses bis hin zum Aralsee und dem Süden des Urals, ebenso wie die Zobel-Straße von den südwestlichen Regionen durch das zentrale Kasachstan und die Altai Region waren auch sehr bedeutend. Durch den Handel der Zobel-Straße wurden Europa und der mittlere Osten stets mit feinstem Pelz versorgt. Entlang dieser Route entwickelten sich große Städte und bedeutende Handelszentren wie beispielsweise Otrar (Farab), Taraz, Kulan, Yassy (Turkistan), Sauran oder Balasagun.
Die große Seidenstraße belebte aber nicht nur den Handel, sondern wurde Zentrum neuer Wissenschaften, Kulturen und Denkweisen. Der große Philosoph Al-Farabi (870-950) wurde beispielsweise sehr stark von der Kultur der Handelsstraße beeinflusst. Geboren in der Farab-Region, wurde er auch „zweiter Lehrer“, nach Aristoteles, genannt, wegen seiner Erkenntnisse auf dem Gebiet der Philosophie, Astronomie, Musik und Mathematik.

Teil des kulturellen Erbes aus dem 11. Jahrhundert ist auch die elegante, urbane Architektur. Im Gegensatz dazu lebten die ältesten Nomadenvölker in sogenannten Jurten, einem tragbaren Haus gemacht aus Holz und Fellen, ideal für eine umherziehende Lebensweise.

Jahre später, 1221, wurde Zentralasien von den mongolischen Stämmen des Dschingis Khan bevölkert, die ihre eigene Kultur und Werte in eine immer komplexer werdende Gesellschaft miteinbrachten. Die mongolische Invasion führte auch dazu, dass sich administrative Distrikte formten, die alle dem Mongolischen Reich unterstanden. Dieses Gebiet ist das heutige kasachische Khanat (Ak Horde). In dieser Zeit entstanden auch die großen mittelalterlichen Städte Aulie-Ata und Turkistan entlang der nördlichen Route der Seidenstraße.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hat der Prozess der Vereinigung bereits unter den meisten Menschen der Zentralasiatischen Steppe begonnen. Von den verschiedensten ethnischen und kulturellen Hintergründen abstammend, formten sich eine einheitliche Weltanschaung und ein gemeinsamer Lebensstil. Die ersten kasachischen Khanaten sind in dieser Zeit aufgetaucht. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts war der Prozess einer gemeinsamen kasachischen Nation abgeschlossen. Das Wort „Kasache“ bedeutete in der alten Turksprache so viel wie „frei“ oder „unabhängig“, die ideale Definition für ein Volk, das sich nach einem eigenen, unabhängigen Staat sehnte. Das traditionelle Nomadenleben in der Steppe und Halbwüste kennzeichnete sich durch die konstante Suche nach neuen Wieden und Wiesen, um die Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Das Volk der Kasachen entwickelte sich aus einem Mix von Stämmen, die seit dem 15. Jahrhundert in der Region angesiedelt waren und in der Mitte des 16. Jahrhunderts eine gemeinsame Sprache, Kultur und Wirtschaft entwickelt hatten.

In den frühen 1600er Jahren haben sich die kasachischen Khanate in große, mittlere und kleinere Bündnisse aufgeteilt, basierend auf erweiterten Familien-Netzwerken. Politische Uneinigkeit, Wettkampf zwischen den einzelnen Horden und das Fehlen eines inländischen Marktes schwächte den kasachischen Khanat. Der Beginn des 18. Jahrhunderts markiert den Höhepunkt des Khanats. Die Gegend wurde für viele Jahrhunderte zum Streitpunkt zwischen den kasachischen Machthabern und den persischen Königen.
Im 17. und 18. Jahrhundert starteten die nomadischen Jungar-Stämme unter Führung des Chinesischen Bogdykhans einen erbitterten Krieg gegen die kasachischen Khanate. Aufgrund mehrerer Faktoren, konnten sich die Menschen allerdings totaler Gefangenschaft entziehen:

  • Die Courage der „batyrs“ (Krieger)
  • Die Entschiedenheit des kasachischen Führers, Ablai Khan
  • Das diplomatische Geschick der kasachischen „Biys“ (Gelehrte), Tole Bi, Kazdausty Kazybek Bi und Aiteke Bi
  • Die Aufopferung des eigenen Volkes

Im 19. Jahrhundert begann sich das russische Reich auch in Zentralasien auszubreiten. Es stellte ein administratives System vor und stationierte Militär, um seine Präsenz im sogenannten „großen Spiel“ mit dem Vereinigten Königreich zu demonstrieren. Russland brachte die russische Sprache in alle Schulen und Regierungsstellen. Russlands Anstrengungen, das russische System in Kasachstan einzuführen stieß nicht auf Gegenliebe beim kasachischen Volk und führte dazu, dass in den 1860er Jahren der Großteil des Volkes Widerstand ausübte. Die „große Spiel“ Periode dauerte ungefähr von 1813 bis zur Anglo-Russischen-Konvention im Jahre 1907. Der bolschewistischen Revolution 1917 folgte eine zweite, weniger intensive Phase. Der Zar regierte den Großteil des heutigen kasachischen Gebietes.

Die Kasachen erholten sich nie ganz vom Krieg und wurden auch nie eine Militärmacht in der Region. Aus diesem Grund suchten sie den Schutz des russischen Reiches und verloren 1871 ihre Unabhängigkeit. Für eine begrenzte Zeit war das unabhängige Kasachstan gebunden an den russischen Staat und dessen Volk, ebenso wie an das europäische Modell sozialer Entwicklung.
Die kasachische nationale Bewegung, die Ende 1800 begann, machte sich für die kasachische Sprache und Identität stark. Ab den 1890er Jahren begannen slawische Siedler das heutige Kasachstan zu bevölkern, im Besonderen die Provinz Semirechie. Die Zahl der Siedler stieg weiter als die Trans-Aral Eisenbahn von Orenburg nach Taschkent 1916 fertiggestellt wurde. Der Wettkampf um Land und Wasser zwischen Kasachen und Einwanderern führte zu großem Ärger.

Nach der Revolution 1917 war Kasachstan der Macht der Sowjets untergeordnet. Diese brachte vor allem in den späten 1920er und 30er Jahren Hungersnöte, Gewalt und Massenemigration. Zwischen 1926 und 1939 schrumpfte die kasachische Bevölkerung um 22%. In dieser Zeit wurden auch viele kasachische Denker, Literaten, Künstler, Politiker und Historiker auf Befehl Stalins getötet oder vertrieben. Der Kommunismus war eingekehrt, kasachische Kultur und Identität sollten verdrängt werden. 1936 wurde Kasachstan Teil der Sowjetunion.
Kasachstan vernahm einen starken Zustrom aus anderen Sowjetrepubliken und wurde Heimat vieler Flüchtlinge aus dem 2. Weltkrieg. Während dieses Krieges stieg die Industrie und förderte die Gewinnung verschiedenster Rohstoffe. Dennoch hatte Kasachstan auch nach Stalins Tod vorwiegend Landwirtschaft. 1953 initiierte der Sowjetführer Nikita Kruschev das Programm der „Virgin Lands“, um traditionelles Weideland in Kornfelder umzuwandeln. Das gewonnene Getreide in Kasachstan sollte große Mengen für die gesamte Region der Sowjetrepublik produzieren. Dies führte zum Ausbau der Agrikultur, die noch heute für viele Kasachen sehr bedeutend ist.
Wachsende Spannungen innerhalb der Sowjetunion führten zu politischen und wirtschaftlichen Reformen in den 1980er Jahren. Im Dezember 1986 fanden in Almaty Massenproteste der jungen kasachischen Bevölkerung statt, um gegen das kommunistische System zu protestieren. Tausende der Demonstranten wurden von Sowjet-Soldaten eingesperrt oder getötet.

Die Unzufriedenheit und der Protest wurden immer größer und fanden ihren Ausbruch im Rahmen der Glasnost-Politik unter dem Sowjetführer Michael Gorbatschow. Im Oktober 1990 erklärte Kasachstan dann seine Unabhängigkeit als Republik innerhalb der Union der Sowjet-Sozialistischen Republiken, gefolgt von einer völligen Abnabelung von der Sowjetunion im August 1991 unter der Führung des ersten Präsidenten Kasachstans Nursultan Nasarbajew. Am 16. Dezember 1991 erklärte Kasachstan seine Unabhängigkeit, die folgenden Jahre waren gekennzeichnet durch signifikante Reformen.

Seither hat sich Kasachstan stark weiterentwickelt hin zu einer Marktwirtschaft. Seit dem Jahr 2000 erlebt Kasachstan außerdem ein gewaltiges Wirtschaftswachstum.